Zum ersten Mal auf der Frankfurter Buchmesse 2021

Joselyn Tobinski und Partner vor dem Sachsen-Anhaltiner Stand auf der Frankfurter Buchmesse 2021, im Hintergrund Dr. Harry Ziethen vom Dr. Ziethen Verlag

Eine Möchtegern-Autorin auf der Frankfurter Buchmesse: Was ich für mich entdeckt habe und wie es war, zu meiner ersten Netzwerkveranstaltung zu gehen.

Ein paar Gedanken vorab – bevor es nach Frankfurt geht:

Am Freitag geht es endlich los! Mein Partner und ich fahren nach Frankfurt. Meine Tochter bringen wir vorher noch zu ihrer Tante und ihrem Onkel. Dann heißt es 5 Stunden Fahrt und zwei Nächte im ‚25 Hours The Trip‘. Ein Ticket für die Buchmesse haben wir für Samstag bekommen – alles andere war zeittechnisch nicht realisierbar.

Seit einem Jahr bin ich nun Texterin, mein Wunsch, Journalistin und Autorin zu werden, festigt sich von Jahr zu Jahr mehr. Vor meiner Selbstständigkeit hieß es meinerseits immer nur: Ich will mal irgendwann ein Buch schreiben. Mit 40 oder so.

Nun, dem eigenen Buch bin ich nicht direkt näher gekommen. Damit lass ich mir auch ehrlich gesagt Zeit. Meine Ambitionen zum Jugendliteratur-Preis sind nicht allzu groß. Ich werde gern erst Autorin, wenn ich mal groß bin… hihi.

Aber von der Journalistin bin ich nicht allzu weit entfernt. Mir steht eine tolle Weiterbildung bevor, die ich mir Dank meines Partners leisten konnte. Um hier mit offenen Karten zu spielen… Ohne ihn wäre ich schon längst pleite. Warum ich das erzähle? Ich möchte anderen Interessierten nicht die heile Welt einer erfolgreichen Journalistin ohne Abschluss vorgaukeln. So ist es nämlich (in den meisten Fällen) nicht. Klar ist alles möglich, aber sicher nicht ohne 1000 Mal auf den Arsch zu fallen.

In zwei Tagen steht also meine erste berufliche Netzwerkveranstaltung bevor. Nicht, dass ich denke, ich würde da viele Menschen kennenlernen. Dafür bin ich noch zu schüchtern. Obwohl: ausschließen würde ich es auch nicht. Vielleicht zeigt sich ja meine ambivertierte Seite ausnahmsweise mal zum richtigen Zeitpunkt. Und mit „richtigem Zeitpunkt“ meine ich in einer Situation, in der mich meine nicht allzu schüchterne Seite mal in irgendetwas voranbringt.

Morgen bringen wir erst mal meine Kleine zu der Familie, bevor wir dann zu zweit losfahren. Ich habe sogar T-Shirts mit einem Zitat von mir inkl. meines Instagram-Namens bestellt. Denn wenn ich eine Sache gelernt habe, dann ist es die, dass man sich für ein bisschen Selbstdarstellung nicht schämen muss. Wer gesehen – oder in meinem Fall: gelesen – werden will, muss sich eben auch mal irgendwie zeigen. Und da ich es mit dem Reden nicht so habe (das überlasse ich meinem Partner), versuche ich es mit stummen Statements. Woran ich jetzt erst beim Schreiben denke: Was ist, wenn mich jemand darauf anspricht? Oh Gott, bloß nicht.

Mann in weißem T-Shirt von hinten. Darauf steht "Du musst Dein Ändern groß schreiben." von Joselyn Tobinski.

Der Wert der Kinderbuchautor:innen

Die Frankfurter Buchmesse war in drei Hallen auf jeweils zwei Etagen aufgeteilt. Ich wollte natürlich sofort zu den Kinder- und Jugendbüchern, da ich selbst einmal Kinderbücher schreiben und/oder illustrieren möchte und natürlich etwas für meine Kleine gesucht habe. Es gab Stände von verschiedenen Ländern, wie Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt. Sachsen hatte meiner Meinung nach die schönsten Kinderbücher. Dort wurde uns ein Projekt des Landes namens „Kreative Sachsen“ vorgestellt, bei dem man als Einwohner:in kostenfreie Weiterbildungen, Netzwerkveranstaltungen und weitere Unterstützungen bekommt. Ich hoffe, dass es ein ähnliches Programm auf für Anhaltiner gibt.

Mir fielen an verschiedenen Ständen sehr wertvolle Bücher für kleine Menschen auf. „Kinder-Yoga“ zum Aufstehen oder Einschlafen, Geschichten, die den Krieg erklären, die das Leben von Senioren erklären, Veränderungen nahebringen sollen. Die Aufgabe von Kinderbuchautor:innen wurde mir dort ein Stück näher gebracht. Ihre Werke sind nicht nur da, um unsere Kinder zum Einschlafen zu bringen oder sie zu unterhalten. Sie existieren, um unseren Kindern Dinge näher zu bringen, die für so kleine Menschen schwer greifbar sind. Dinge, die ihnen helfen sollen, Veränderungen und Schicksalsschläge von sich und anderen besser zu verstehen. Sie sind ein entscheidender Teil der Entwicklung zu toleranten, empathischen und wertvollen Menschen.

Kinderbücher vom Verlag Naturkind. Links das Cover von "Worte, die mich stark und mutig machen" und "Kinder-Yoga zum Einschlafen".
Naturkind vom Loewe Verlag

Merkwürdige Buchtitel von wissenschaftlichen Verlagen

Aber ich fand auch Bücher mit auffälligen Buchtiteln von vermeintlich wissenschaftlichen Verlagen. Die Wissenschaft hat die Aufgabe möglichst objektiv zu sein, jedoch wissen wir alle, das Objektivität unter uns Menschen nicht existieren kann. Buchtitel wie „Auf dem Wege zur mutterlosen Gesellschaft“ ist vermeintlich auch nicht sehr objektiv betrachtet. Bücher über das Mutter-sein von männlichen Wissenschaftlern… Ich habe kurz rein gelesen und es ging wohl darum, dass unser Land durch den Wunsch der Frauen zu arbeiten und die nötige Folge, die Kinder in eine Tagesbetreuung zu geben, an Mutterliebe und Fürsorge ärmer wird.

Ich hätte nachfragen sollen

Natürlich schossen mir Fragen in den Kopf wie „Und was ist mit den Vätern?“ oder „Ist Ihnen klar, wie viele Alleinerziehende es gibt?“, aber der Herr am entsprechenden Stand sah nicht sehr erpicht aus, mit mir darüber zu sprechen. Sein Blick lies mich darauf schließen, dass er des Öfteren mit Diskussionsgrundlagen konfrontiert wird und wohl damit rechnete, Fragen gestellt zu bekommen. Aber durch die vielen Eindrücke, die auf mich prasselten, hatte ich keine Lust provokative Fragen zu stellen. Ein bisschen bereue ich das. Aber ich werde das Buch lesen.

Afghanistan ohne Bücher

Die Frankfurter Buchmesse ist eine sehr internationale Veranstaltung. Ich muss gestehen, dass ich von den meisten Ländern und Staaten nicht viel mitbekommen habe, da die meisten Stände schon leergeräumt waren oder ich die Sprache nicht verstand. Vielleicht war auch die Luft schon ziemlich raus… Eine so große Veranstaltung nach so langer Zeit brachte schon viele und beinahe überwältigende Eindrücke mit sich.

Ein Stand jedoch hat mich besonders berührt und gerührt. Afghanistan hatte keine Bücher zu zeigen. „No books this year“ war in den leeren Regalen ausgehängt. Die afghanischen Verleger:innen (eine Frau, ein Mann) erzählten, dass sie bis zur Regierungsübernahme bis zu 20.000 Bücher täglich gedruckt haben – nun ist die Produktion und der Verkauf komplett eingestellt.

Afghanischer Stand zur Frankfurter Buchmesse 2021 mit dem Aushang "No book this year" und zwei afghanischen Buchverleger:innen im Vordergrund

Harzer Krimis als Abschluss

Zu guter Letzt trafen wir noch auf den Sachsen-Anhaltiner Stand mit circa fünf regionalen Verlagen, unter anderem dem Dr. Ziethen Verlag aus meiner Heimat. Er stellte einige Harzer Krimis von Christian Amling aus, von dem meine Großeltern gerne lesen. Wir sprachen über örtliche Förderprogramme für Kreative und Schreibende und der Herr Dr. Ziethen bot mir an, meine Texte dem oda – Ort der Augen – , einer jährlichen Veröffentlichung von Kreativtexten und Kurzgeschichten zur Verfügung zu stellen. So bin ich also nach Frankfurt gefahren, um dann drei Bücher aus der Heimat mitzunehmen.

Zum Schluss habe ich mich sogar noch getraut, mein T-Shirt zu zeigen und mich mit meinem Partner, der den ganzen Tag schon fleißig Werbung gemacht hat, fotografieren zu lassen.

Joselyn Tobinski und Partner vor dem Sachsen-Anhaltiner Stand auf der Frankfurter Buchmesse 2021, im Hintergrund Dr. Harry Ziethen vom Dr. Ziethen Verlag

Nächstes Jahr wieder zur Frankfurter Buchmesse?

Ich kann mir durchaus vorstellen, nächstes Jahr wieder hinzufahren. Mein Wunsch ist es ja, irgendwann aus beruflichen Gründen dort präsent zu sein. Wenn ich allerdings an die weiteren Erlebnisse an diesem Wochenende in Frankfurt denke, bin ich mir nicht so sicher, ob ich diese Stadt noch einmal betreten will.

Hier ist dennoch ein Bild von mir in einer der schöneren Ecken der Stadt:

Joselyn Tobinski vor dem Frankfurter Hochhaus


Warst Du auch auf der Frankfurter Buchmesse?

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Lies dazu noch meinen Beitrag über mein Wochenende in Frankfurt:

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